Womit beschäftigt sich eine nachhaltige Chemie?

Die nachhaltige Chemie betrachtet den gesamten Lebenszyklus eines Stoffs. Fragen zu Art und Herkunft der Rohstoffe, der Veredelung, des Gebrauchs und der Verwertung bzw. des Recyclings nach der Gebrauchsphase spielen eine Rolle.

Chemische Stoffe werden aus verschiedenen Quellen in die Umwelt eingetragen. Vor allem in hochindustrialisierten Gesellschaften gelangen selbst bei „richtiger“ Benutzung von Produkten chemische Substanzen in die Umwelt (beispielsweise bei herkömmlichen Shampoos). Verbraucherverhalten kann dementsprechend helfen, chemische Belastungen zu reduzieren, ganz verhindern kann man den Eintrag allerdings kaum.

Dort können sich die Stoffe je nach chemischer Reaktionseigenschaft in den Umweltmedien Wasser, Boden und Luft verteilen. In günstigen Fällen können Sie vollständig abgebaut werden (zum Beispiel unterstützt durch Kläranlagen). Ihre Konzentration kann durch Anreicherungs-, Umbau- und Abbauvorgänge aber eventuell nur verändert werden (Transformation), ohne dass ein vollständiger Abbau resultiert. Eine solche Transformation kann auf natürliche Weise – z. B. als Biotransformation durch Bakterien und Pilze oder als Phototransformation durch Licht – sowie durch technische Prozesse erfolgen. Die entstehenden Transformationsprodukte sind jedoch nicht immer unbedenklich: Sie können die Qualität von Trink- und Grundwasser ebenso beeinträchtigen wie die Ausgangsprodukte selbst – vereinzelt sogar noch stärker. Zudem ist die Wechselwirkung der unterschiedlichsten chemischen Stoffe (und durch die neu entwickelten Nanopartikel[1] kommen laufend neue, noch wenig erforschte hinzu) schlecht vorhersehbar. So erscheinen im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung neue Ansätze in der chemischen Industrie und der Nutzung chemischer Produkte unverzichtbar.

Gemäß den Prinzipien der Nachhaltigkeit darf in der nachhaltigen Chemie nicht nur die Anwendung eines Stoffs im Mittelpunkt stehen. Vielmehr muss der gesamte Lebenszyklus betrachtet werden: Neben Fragen der Art und Herkunft der Rohstoffe, ihrer Veredelung und ihres Gebrauchs umfasst dies besonders die Verwertung bzw. das Recycling nach der Gebrauchsphase. Dabei sollte die Gewinnung, Verwendung und Verwertung von chemischen Stoffen an jedem Punkt ihres Lebenszyklus’ an den Kriterien der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden – z. B. durch eine Erhöhung der Effizienz in der Anwendung und das Verhindern von unbeabsichtigten Nebenwirkungen.

[1] Nanopartikel sind kleinste Stoffe (über 1000 Mal kleiner als der Durchmesser eines Menschenhaares), die wegen ihrer teils einzigartigen Eigenschaften schon heute für einige Produkte genutzt und derzeit intensiv beforscht werden. Das Umweltbundesamt weist in einer Studie (2009) darauf hin, dass derzeit unklar ist, inwieweit Risiken (z. B. ein erhöhtes Krebsrisiko) mit diesen sehr speziellen Stoffen verbunden sind. Problematisch ist zudem, dass sie gerade wegen ihrer extrem geringen Größe unkontrolliert aus den Produkten in die Umwelt und in menschliche Körper gelangen könnten.


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