Was ist nachhaltiger Tourismus?

Der Tourismus hat einen großen Einfluss auf eine nachhaltige Entwicklung. Der nachhaltige Tourismus strebt an, diesen Einfluss möglichst positiv zu Gunsten der Umwelt, der lokalen Bevölkerung und lokaler, ökonomischer Wertschöpfung zu gestalten.

Bedeutung des Tourismus

Der Tourismus ist einer der weltweit größten Weltwirtschaftszweige. Er erwirtschaftet 10 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts weltweit, stellt einen von elf Arbeitsplätzen und hat einen Anteil von 4 Prozent an den weltweiten Investitionen und 5 Prozent an den weltweiten Exporten (WTTC 2014). Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Touristenankünfte jährlich um 3,3 Prozent weiter wachsen, im Jahre 2030 wird es dann 1,8 Milliarden internationale Touristenankünfte geben (UNWTO 2013). Die touristische Wertschöpfungskette einer Destination erstreckt sich von den touristischen Verkehrsbetrieben über die Beherbergungsbetriebe und Gastronomie bis zur Schaffung von Verdienstmöglichkeiten für Lokale, Restaurants, Geschäfte außerhalb der touristischen Anlagen.

Tourismus und Nachhaltigkeit

Der Tourismus trägt zu globalen Veränderungen, wie Klimawandel und Ressourcenschwund bei und ist zugleich von ihnen betroffen. Grundlage für den Tourismus sind zumeist Natur- und Kulturgüter, welche prägend für eine Destination sind. Touristen wünschen sich eine intakte Umwelt und authentische kulturelle Erfahrungen. Ziel der Tourismusbranche ist es daher, die Natur zu erhalten und die Kultur zu schützen. Dies gelingt jedoch bei weitem nicht immer. Es kommt entscheidend auf die Gestaltung des Tourismus an, ob von ihm positive oder eher negative Auswirkungen auf Natur, Kultur und Bevölkerung ausgehen. Umso wichtiger ist und wird nachhaltiger Tourismus. Generell sollte nachhaltiger Tourismus ökologisch tragfähig sein sowie gerecht im Sinne von kulturellen, ethischen und sozialen Aspekten, aber zugleich auch wirtschaftlich sinnvoll. Im Fokus von nachhaltigem Tourismus sind insbesondere Mobilität, Erhalt von Natur und Kultur, soziale Arbeitsbedingungen, lokale Wertschöpfung und der Verbrauch von Ressourcen. Es soll gewährleistet werden, dass Destinationen auch für zukünftige Generationen erhalten werden. Dazu gibt es viele Bestrebungen im Tourismus das Angebot nachhaltiger zu gestalten und dies auch zu kommunizieren. Mittlerweile gibt es in der Branche über 180 verschiedene Zertifikate und Labels die nachhaltige Angebote auszeichnen.

Ökologie Ziele im nachhaltigen Tourismus

Die ökologischen Ziele der Nachhaltigkeit sind im Tourismus sehr maßgebend. So werden zum Beispiel durch unkontrollierte touristische Nutzung Landschaften zerstört, der Ressourcenverbrauch in Hotels ist häufig überdimensional im Vergleich zu lokalen Standards oder dem Verhalten zuhause und die Mobilität der Touristen, insbesondere durch An- und Abreise, führt zu einem erhöhten Ausstoß von Treibhausgasemissionen. Dem gilt es entgegenzuwirken. Im nachhaltigen Tourismus gibt es diverse Konzepte die ökologischen Auswirkungen zu reduzieren. Im Bereich Mobilität sind dies zum Beispiel alternative, gemeinschaftliche Mobilitätskonzepte in der Destination, Anreizsysteme für die Nutzung der Bahn zur Anreise oder die CO2-Kompensation von Flügen. Zugleich gibt es das Bestreben den Ressourcenverbrauch zu reduzieren, z.B. in Hotels durch Energiesparmaßnahmen, Wasseraufbereitungssysteme, Aufklärungsmaßnahmen für Touristen, usw.

Ökonomische Ziele im nachhaltigen Tourismus

Ökonomische Ziele werden oft als Konfliktfaktor gesehen. Ökonomische Wertschöpfung und soziales und ökologisches Wirtschaften schließen sich jedoch nicht aus. Die Wirtschaftlichkeit ist maßgeblich für eine nachhaltige Entwicklung. Daher kommt es im Tourismus insbesondere auf eine gerechte Bezahlung der Mitarbeiter und Verteilung und Verwendung der Gewinne an. Hierbei sollte die Wertschöpfung vor allem im Reiseland erfolgen. Nachhaltiger Tourismus sollte die regionale Wirtschaftskraft stärken und Arbeitsplätze für Einheimische schaffen. Zusätzlich sollen kleine, lokale Anbieter unterstützt werden.

Soziale Ziele im nachhaltigen Tourismus

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit ist im Tourismus sehr komplex und schwierig messbar. Jedoch ist diese hier insbesondere wichtig, da der Tourismus oftmals durch die Menschen lebt. Aufkommende negative soziale Auswirkungen des Tourismus, wie Arbeitsausbeutung, Verletzung von Menschenrechten, Umsiedlung von Einheimischen für den Tourismus, müssen bekämpft werden. Generell sollte die lokale Bevölkerung vom Tourismus profitieren. Die ökonomische Beteiligung ist somit auch ein soziales Ziel.

Zusätzlich steht im Tourismus auch der kulturelle Aspekt im Fokus. Nachhaltiger Tourismus sollte so gestaltet sein, dass die lokale Kultur erhalten oder sogar gefördert wird. Zugleich soll ein kultureller Austausch stattfinden.

Nachhaltige Reiseangebote sind bisher noch ein Nischenprodukt. Dennoch steigt die Nachfrage. Zugleich birgt der touristische Massenmarkt ein starkes Transformationspotential. Ziel muss ein sein, dass nicht nur einzelne Angebote in Nischenmärkten nachhaltig sind, der gesamte Tourismusmarkt muss möglichst nachhaltig gestaltet werden.

Dies ist ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Edgar Kreilkamp, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Tourismusmanagement, an der Leuphana Universität Lüneburg.

Weitere Informationen: Green Travel Transformation: Ein Modell für integrierte Transformationsprozesse zum nachhaltigen Wirtschaften im Tourismus


Literatur

Schmied, M., Götz, K. , Kreilkamp, E., Buchert, M., Hellwig, T., Otten, S., & Rheinberger, U. (2009): Traumziel Nachhaltigkeit: Innovative Vermarktungskonzepte nachhaltiger Tourismusangebote für den Massenmarkt. Heidelberg: Physica-Verlag.

WTTC (2014): Economic Impact of Travel & Tourism 2014.

UNWTO (2013): International tourism to continue robust growth in 2013, Press Release No. PR13006.

Prof. Dr. Edgar Kreilkamp

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