Was ist nachhaltiger Konsum?

Wir konsumieren jeden Tag und nehmen dafür unterschiedliche Ressourcen in Anspruch. Aber kann unser Konsum auch nachhaltig sein? Was bedeutet „nachhaltiger Konsum“?

Woher kommt der Begriff „nachhaltiger Konsum“?

Der Begriff hat seinen Ursprung auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. Ein weiterer Meilenstein war der Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung im September 2002 in Johannesburg, bei dem der Beschluss für ein zehnjähriges Rahmenprogramm zur Förderung des nachhaltigen Konsums fiel (BMUD 2014). Ziel dieses Programms war es, weltweit die Produktion und den Konsum stärker mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung zu vereinen (Ecologic Institut 2014). Ein Jahr später wurden nationale Strategien zur Stärkung des nachhaltigen Konsums und von Produktionsmustern im Rahmen des „Marrakesch-Prozess“ festgelegt. Durch diese internationalen Entwicklungen angestoßen, haben sich in Deutschland Dialoge und Initiativen vom Bundesumweltministerium und den Umweltbundesamt im Bereich des nachhaltigen Konsums und der nachhaltigen Produktion entwickelt (BMUD 2014).

Was genau meint der Begriff „nachhaltiger Konsum“?

Es gibt für den Begriff unterschiedliche Definitionen, wobei die sogenannte „Oslo-Definition“ gängig ist (Fischer 2011: 3, f.). Nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum sind demnach:

„die (Produktion) und die Nutzung von Gütern und Dienstleistungen, die elementare menschliche Bedürfnisse befriedigen und eine bessere Lebensqualität hervorbringen, wobei sie gleichzeitig den Einsatz natürlicher Ressourcen, toxischer Stoffe und Emissionen von Abfall und Schadstoffen über den Lebenszyklus hinweg minimieren, um nicht die Bedürfnisbefriedigung künftiger Generationen zu gefährden“. (Norske Miljoverndepartement 1995, zit. nach Spangenberg 2013: 124)

Jedes Konsumgut verbraucht Ressourcen und damit Fläche (zum Beispiel zur Energie- und Rohstoffgewinnung sowie zur Entsorgung). Um diesen Ressourcenverbrauch zu messen und zu bewerten, gibt es unterschiedliche Konzepte. Ein sehr gängiges Konzept ist das des „ökologischen Fußabdruckes“. In diesem Konzept geht es darum, die Fläche zu eruieren, die für den gesamten Zyklus eines Konsumgutes gebraucht wird (Fischer 2011: 6,f.). Es ist auch möglich, seinen individuellen ökologischen Fußabdruck online zu berechnen.

Und was genau ist „Konsum“?

Häufig werden mit dem Wort „Konsum“ die Produkte, die wir kaufen, assoziiert. In der Wissenschaft umfasst dieser Begriff jedoch auch anderen Konsum, nämlich den Konsum von Unternehmen und Organisationen (auch Dienstleistungen) sowie den Konsum von öffentlichen Einrichtungen (FONA 2013: 131). Um die Komplexität zu verringern, beschränken sich die Ausführungen im Folgenden auf den privaten, materiellen Konsum.

Aber auch die Auseinandersetzung mit dem nachhaltigen Konsum auf privater Ebene setzt nicht erst bei dem Erwerb von Produkten an. Aus wissenschaftlicher Perspektive geht es auch darum wie Menschen ihre (Konsum)-Bedürfnisse wahrnehmen, wie sie Produkte und Dienstleistungen wählen, wie erworbene Produkte genutzt und gepflegt werden und wie diese entsorgt oder weitergegeben werden. Insofern ist der Begriff „Konsumhandeln“ adäquater als der Ausdruck „nachhaltiger Konsum“ (ebd.: 131, f.). Es geht folglich nicht nur um das Produkt, sondern auch um den Umgang mit und der Haltung gegenüber dem Produkt.

Warum konsumieren wir?

Unser Konsumhandeln hat einen funktionalen Grund, ist jedoch auch strak durch kulturelle, soziale, technische und individuelle Einflüsse geprägt (ebd.: 133, f.). Der funktionale Aspekt meint die Erfüllung eines äußeren sichtbaren Bedürfnisses. So soll der Erwerb einer Regenjacke zum Beispiel vor Nässe schützen. Konsumhandlungen sind aber auch durch Kultur geprägt (ebd.: 134).So kann das Tragen bestimmter Kleidungsstücke oder das Fahren eines bestimmten Autos auch einen symbolischen Nutzen haben. Motivationen wie soziale Zugehörigkeit, gesellschaftliche Anerkennung (Status) und Schönheitsideale, also kulturell geprägte Werte, beeinflussen unserer Konsumhandelnauch (vgl. Spangenberg 2003: 123,f.). Ein wichtiger Einflussfaktor und Motor einer „Konsum-Kultur“ ist auch die Werbung (FONA 2013: 135). Selbstverständlich kann nicht jedes Konsumhandeln nur auf einen der beschriebenen Einflussfaktoren (die auch nur eine Auswahl darstellen) reduziert werden, da Konsumverhalten ein Ergebnis der Einwirkung unterschiedlicher gesellschaftlicher, individueller und technischer Faktoren ist.

Wie beschäftigt sich die Wissenschaft mit diesem Thema?

Nachhaltiger Konsum ist ein vielseitiges und vielschichtiges Thema. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen mit diesem Thema auseinandersetzen. Neben der theoretischen Annährung an den nachhaltigen Konsum, beschäftigen sich die Nachhaltigkeitswissenschaften auch mit konkreten, praxisorientierten Verhaltens- und Bildungsansätzen zur Förderung eines Konsums im Sinne der Nachhaltigkeit.


Literatur

Fischer, Daniel ( 2011): „Der Kompass ‚Nachhaltiger Konsum‘, Eine Orientierungshilfe“, Bad Homburg, VAS-Verlag.

FONA Sozial-ökologische Forschung BMBF (2013): „Konsum – Botschaften, Was Forschende für die gesellschaftliche Gestaltung nachhaltigen Konsums empfehlen“, Stuttgart, S. Hirzel Verlag.

Renn, Orwin (2002): „Nachhaltiger Konsum: Was kann der einzelne tun?“, in: Scherhorn, Gerd und Christoph Weber (Hrsg.): Nachhaltiger Konsum, auf dem Weg zur gesellschaftlichen Verankerung, München, ökom Verlag, S.33-39.

Spangenberg, Joachim H. (Hrsg.) (2003): „Vision 2020, Arbeit, Umwelt, Gerechtigkeit - Strategien für ein zukunftsfähiges Deutschland“, München, ökom Verlag.

Angres, Volker und Jürgen Trittin (2004): „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster Nationaler Dialog zum Folgeprozess des Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung“, Berlin. Zugriff über: http://www.ecologic.eu/de/9059 (Zugriff am 10.2.2015)

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (2014): „Nachhaltiger Konsum“. Zugriff über: http://www.bmub.bund.de/themen/wirtschaft-produkte-ressourcen/produkte-und-umwelt/produktbereiche/nachhaltiger-konsum/ (Zugriff am 10.2.2015)

Hagemann, Helmut, Ulla Simshäuser, Frieder Rubik und Gerd Scholl (2004): „Instrumente und Strategien zur Förderung des nachhaltigen Konsums – Evaluation und Optimierung, Abschlussbericht“, in: Schriftenreihe des Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin. Zugriff über: http://www.ioew.de/uploads/tx_ukioewd/IOEW_SR_174_Instrumente_und_strategien_zur_Foerderung_des_nachhaltigen_Konsums.pdf (Zugriff am 11.2.2015)

Prof. Dr. Daniel Fischer

Juniorprofessor für Nachhaltigkeitswissenschaft am Institut für Umweltkommunikation (INFU)

Forschungsgebiete: Nachhaltiger Konsum, Nachhaltigkeitskommunikation und -journalismus, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Schul- und Organisationsentwicklung, Hochschuldidaktik
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