Portrait der “Virtuellen Akademie”

Mit den Online-Lehrveranstaltungen der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit kann jede/r Grundlagenwissen zu Nachhaltigkeit erwerben. Wie dieses Angebot funktioniert, erklärt die Projektkoordinatorin Nadine Dembski im Interview.

Grünes Wissen (GW): Was ist die „Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit“ und warum ist es wichtig, dass es sie gibt?

Nadine Dembski (ND): Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit ist ein seit 2011 laufendes, deutschlandweites Lernangebot für Studierende, das ausschließlich das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung im Fokus hat. Alle Online-Lehrveranstaltungen beschäftigen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit – sei es mit ökonomischen Fragestellungen und Nachhaltigkeit, dem Klimawandel oder der Bildung. Anbieter für Online-Lehrveranstaltungen oder auch sogenannten MOOCs (Massive Open Online Courses) gibt es mittlerweile viele. Das Besondere der Virtuellen Akademie ist aber zum einen der thematische Rahmen und zum anderen die Möglichkeit, dass Studierende sich die Leistungen mit Credit Points für ihr Studium anrechnen lassen können. Und das ist für Studierende und Hochschulen kostenfrei. Nachhaltige Entwicklung ist heute und in Zukunft die größte Herausforderung unserer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund initiierte die UNESCO 2005 die weltweite Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) mit dem Ziel, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in allen Bereichen der Bildung zu verankern. Auch die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit ist aus diesem Impuls mit dem Ziel entstanden, möglichst vielen Studierenden den Zugang zu BNE zu ermöglichen.

GW: Wer hat das Projekt initiiert und finanziert? Wer arbeitet im Team mit?

ND: Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit ist als Projekt der Universität Bremen angegliedert an die Professur für Nachhaltiges Management von Prof. Dr. Georg Müller-Christ und wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt(DBU) und andere Stiftungen gefördert. Neben den Initiatoren wurde die Akademie seit Beginn von den Vorstandsmitgliedern Prof. Dr. Georg Müller-Christ (Universität Bremen), Prof. Dr. Gerd Michelsen (Leuphana Universität Lüneburg) und Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Wuppertal Institut) begleitet. Das Team der Virtuellen Akademie besteht aus drei Mitarbeiterinnen, die sich um alle anfallenden Aufgaben im laufenden Lehr- und Prüfungsbetrieb sowie den projektbedingten Aufgaben wie der Initiierung und Pflege der Hochschulkooperationen, Entwicklung neuer Lehrveranstaltungen und vieles mehr kümmern. Zu den engen Kooperationspartnern gehört außerdem das Zentrum für Multimedia in der Lehre an der Universität Bremen, welches mit seiner Expertise die Akademie in der Produktion der Lernvideos unterstützt.

GW: Warum setzt Ihr auf virtuelle Medien? Sind nicht der unmittelbare Austausch und das lebendige, persönliche Vermitteln von Inhalten vis á vis zentraler Teil von Lernprozessen?

ND: Natürlich sind der Austausch und das persönliche Vermitteln von Inhalten wichtig – auch im Hinblick auf den Erwerb einiger Teilkompetenzen des Gestaltungskompetenzansatzes zu BNE. Unsere Online-Lehrveranstaltungen sollen dies auch nicht ersetzen. Für die Vermittlung von Grundlagenwissen zu Nachhaltigkeit sind virtuelle Medien aber ein sehr geeignetes Mittel. So sind die Lernvideos jederzeit und von überall aus über die unterschiedlichen Endgeräte nutzbar und ein Austausch mit anderen Teilnehmenden und dem Betreuungsteam ist über die Lernplattform auch unkompliziert möglich. Die Lernvideos können den Hochschullehrenden außerdem gut als Ergänzung in der eigenen Lehre dienen, indem zum Beispiel Standpunkte anderer Kollegen/innen dargestellt werden oder die Lehrveranstaltung als Blended-Learning gestaltet wird. Dabei findet dann die Grundlagenvermittlung über die Lernvideos statt und die Präsenzzeiten wird für die Vertiefung und Diskussion genutzt.

GW: Für wen sind die Videos interessant?

ND: Die Lernvideos sind für die Zielgruppe „Studierende“ produziert und weisen den typischen Vorlesungscharakter auf. Da die Videos frei im Internet zur Verfügung stehen, erreichen wir aber auch viele andere Interessierte. Einerseits Weiterbildungsinteressierte, aber auch verschiedenste private Personen aus dem In- und Ausland, die sich für das Thema Nachhaltigkeit interessieren und unsere Videos zur Information oder zur Diskussion mit anderen nutzen.

GW: Und welche Themen werden abgebildet? Wie findet die Themenauswahl aus dem nahezu unendlichen Feld „Nachhaltigkeit“ statt?

ND: Zum einen ist es uns wichtig, ein möglichst breites Angebot an Grundlagenwissen zu haben. Wir versuchen natürlich die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, also Ökologie, Ökonomie und Soziales, abzubilden. Dazu recherchieren wir aktuelle Themen, die in der Wissenschaft und der Gesellschaft diskutiert werden (wie zum Beispiel das Motto des aktuellen Wissenschaftsjahres 2015 „Zukunftsstadt“) und laden dann Experten/innen zu diesem Thema ein. Manchmal kann dieser Prozess aber auch genau andersherum laufen: Lehrende kommen auf uns zu und wollen gerne ihre Inhalte für unser Lernformat aufbereiten.

GW: Was war eine der schönsten Rückmeldungen von Nutzern/innen zu Euren virtuellen Lerneinheiten?

ND: Uns erreichte die E-Mail eines Augenoptikers in Süddeutschland, der sich in einem Verein engagiert und dort mit anderen an Diskussionsabenden die Lernvideos zur Veranstaltung „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ schaut und bespricht. Dazu gab es in der Kreiszeitung auch eine Pressemitteilung. Das hat uns neben den vielen positiven studentischen Rückmeldungen sehr gefreut!

Das Interview führte Hanna Selm, Koordinatorin des Portals „Grünes Wissen“, mit der Projektkoordinatorin der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit Nadine Dembski. Die online-Lehrveranstaltungen sind hier oder auf Grünes Wissen in den jeweiligen Themenbereichen als „Fundstücke“ zu finden.


Nadine Dembski

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