Nachhaltigkeitsjournalismus – Einblicke in ein berufsbegleitendes Studium

Seit 2012 gibt es an der Leuphana Universität Lüneburg das Zertifikatsstudium „Nachhaltigkeit und Journalismus“. Im Interview spricht Robin Marwege, der Studienprogrammkoordinator, über die Entstehung, die Hintergründe und praktische Erfahrungen.

Grünes Wissen (GW): Was genau ist das Zertifikatsstudium „Nachhaltigkeit und Journalismus“?

Robin Marwege (RM): Das Zertifikatsstudium ist eine einjährige, berufsbegleitende Weiterbildung für Journalisten/innen, aber auch artverwandte Berufe wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die sich in Nachhaltigkeitsfragen professionalisieren wollen. Das Besondere daran ist die Integration von journalistischen Kompetenzen und Schlüsselkompetenzen nachhaltiger Entwicklung. Wir haben daher im ersten Semester viele Einführungen in aktuelle Themen der Nachhaltigkeitswissenschaften und zeigen so, wie die verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten, um Fragen nachhaltiger Entwicklung zu beforschen und natürlich auch, was das mit dem Leben und dem Alltag von uns allen zu tun hat. Das wird auch besonders auf unseren Exkursionen deutlich. Im zweiten Semester geht es schwerpunktmäßig um die journalistische Bearbeitung von Nachhaltigkeitsthemen, auch in einigen Praxisprojekten. So sollen die Teilnehmenden nicht nur besser schreiben lernen, sondern auch die Planung und Konzeption verschiedener Formate vertiefen. Das große Highlight ist dann immer das Abschlussprojekt, in dem Inhalte, Konzeption des Gesamtprodukts und die Erstellung der konkreten Beiträge zusammenfließen.

GW: Wie ist die Idee geboren, dieses Zertifikatsstudium zu entwickeln?

RM: Die Idee ist schon recht früh aufgekommen. Wir hatten hier am Institut für Umweltkommunikation dazu bereits eine Konzeptstudie durchgeführt. Das war zehn Jahre bevor das Zertifikatsstudium in die Realität umgesetzt werden konnte. Das Studium war eigentlich als Masterstudium „Nachhaltigkeitskommunikation“ gedacht, aber offensichtlich war es zu groß und zu breit angelegt, zudem recht teuer, weshalb es nicht gestartet ist. Aber die konzeptionellen Überlegungen für das Curriculum und die Bedürfnisse der Zielgruppe waren weiterhin sehr wertvoll!

GW: Und welche Kompetenzen hat das Team zur Einrichtung des Zertifikats mit eingebracht?

RM: Die Erfahrungen in inter- und transdisziplinärer Nachhaltigkeitslehre im Team von Professor Michelsen, zu dem ich neben Daniel Fischer, der zu Beginn das Zertifikatsstudium hauptverantwortlich koordiniert hat, auch gehöre. Herr Fischer hat dabei eher die bildungswissenschaftliche Perspektive übernommen, mein Fokus sind eher die Nachhaltigkeitswissenschaften und die Umweltkommunikation. Ganz wichtig war außerdem die Kooperation mit dem langjährigen Umweltjournalisten Torsten Schäfer.

GW: Bis heute haben gut 50 Journalisten/innen das Studium erfolgreich absolviert. Wie würden Sie die Erfahrungen dieser drei Jahrgänge resümieren?

RM: Wir hatten auf jeden Fall drei erfolgreiche, aber auch in bestimmten Aspekten ganz unterschiedliche Jahrgänge. Beim ersten zum Beispiel war das Abschlussprojekt ziemlich umfangreich angelegt und hatte als Produkt eine Magazinbeilage in der ZEIT. Ich weiß von einigen Alumni aus dem ersten Jahrgang, dass sie davon auch im Berufsleben profitieren konnten. Und was eigentlich alle berichten ist, dass man systematischer auf Fragen nachhaltiger Entwicklung blicken kann. Jemand hat das als „Nachhaltigkeitsbrille“ bezeichnet, mit der man auch in vermeintlich „normalen Themen“ Bezüge zu Fragen nachhaltiger Entwicklung entdeckt und so seine Beiträge bereichern kann. Es hat sich auch gezeigt, dass es sich wirklich lohnt, nach dem ersten Semester ausgesuchte Themen vertieft zu behandeln. Wir haben eine sehr spannende Exkursion nach Gorleben rund um die Frage der Atomenergie und der Lagerung radioaktiven Abfalls unternommen. Oder das Blogprojekt zu nachhaltigem Konsum, da waren die Brücken zum Alltag der Leser, aber auch zu uns selbst natürlich besonders einfach herzustellen.

GW: Wie evaluieren Sie diese Ergebnisse?

RM: Also es gibt zunächst einmal die standardisierte Lehrevaluation für jedes Lehrmodul, das heißt konkret kurze Fragebogen am Ende der Module. Die sind für uns sehr wertvoll, um das Programm von Jahr zu Jahr zu verbessern oder aber auch, um Wünsche aus dem laufenden Jahr aufzunehmen. Das Zertifikat ist mit drei Durchgängen noch recht jung und wir haben immer wieder das Curriculum angepasst und uns dabei auf die Evaluation gestützt. Wir unternehmen auch Eingangs- und follow-up-Befragungen, in denen wir Erwartungen an das Studium erfragen. Und im Fall der Nachbefragung geht es uns natürlich darum, zu überprüfen, ob nach einer gewissen Zeit nach dem Studium das Berufsleben einen positiven Impuls bekommen hat und was rückblickend am wertvollsten am Zertifikat war. Ganz wichtig sind natürlich auch die informellen Gespräche bei den Seminaren in der Pause, da frage ich natürlich auch immer und die Gespräche drehen sich sowieso um die Inhalte des Seminars. Also meistens jedenfalls! (lacht)

Das Interview führte Hanna Selm, Koordinatorin des Portals „Grünes Wissen“, mit Robin Marwege der das Zertifikatsstudium „Nachhaltigkeit und Journalismus“ koordiniert. Weitere Informationen zum Studiengang sind hier zu finden.


Robin Marwege

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