Meldung aus der Forschung: Bären und Wölfe in menschlich dominierten Ökosystemen

Welchen Einfluss haben Menschen auf die Lebensräume von Wildtieren? Und welche Rolle spielen die Tiere dort selbst? Zu diesen Fragen gibt es neue Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Forschung.

Auch in menschlich dominierten Landschaften spielen große Fleischfresser wie Braunbären oder Wölfe – sogenannte Spitzenprädatoren – eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Wildtierbeständen. Dies ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Leuphana Universität Lüneburg, der Humboldt-Universität Berlin sowie der Charles Sturt University und der Deakin University (beide in Australien), die kürzlich in der Zeitschrift ‚Proceedings of the Royal Society B‘ veröffentlicht wurde. Die Studie ist eine von wenigen, die den Einfluss menschlichen Handelns auf die natürlichen Räuber-Beute-Beziehungen von Wildtieren und die Regulation von Wildtierbeständen untersuchen.

Regulatoren des Wildtierbestands

Dass Spitzenprädatoren in natürlichen Landschaften von entscheidender Bedeutung für die Gestaltung des Ökosystems sind, ist bereits bekannt. Mit ihrer Studie konnten die Wissenschaftler nun belegen, dass auch in menschlich geprägten Kulturlandschaften die Fleischfresser ihre wichtige Funktion als Regulatoren des Wildtierbestands behalten, insbesondere indem sie die Zahl der Pflanzenfresser reduzieren. Allerdings spielt der Mensch hier durch seine direkten und indirekten Eingriffe ins Ökosystem ebenfalls eine wichtige Rolle. Nicht nur durch die Umgestaltung der Natur durch landwirtschaftliche Nutzung, sondern vor allem auch durch Jagd beeinflusst der Mensch den Wildtierbestand auf allen Ebenen der Nahrungspyramide aktiv – meist in negativer Hinsicht. Für ihre Untersuchung beobachteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Hilfe von Kamerafallen das Vorkommen von Wildtieren in einer vom Menschen dominierten Region in Transsylvanien/Rumänien. Neben Spitzenprädatoren wie Braunbären und Wölfen sind hier auch mittelgroße Räuber wie Rotfüchse sowie große Pflanzenfresser wie Reh- und Rotwild heimisch. Menschen und freilaufende Hunde fungieren als zusätzliche „Prädatoren“ in diesem System.

Der Mensch als Teil der Nahrungspyramide

„Die von uns nachgewiesenen starken Effekte menschlichen Handelns auf Wildtierbestände aller Ebenen der Nahrungspyramide zeigen, wie notwendig es ist, den Menschen in Zukunft systematisch als Teil der Nahrungspyramide zu berücksichtigen,“ so Ine Dorresteijn, Hauptautorin der Studie. „Gerade vor dem Hintergrund, dass Spitzenprädatoren wie Wölfe zunehmend in menschlich dominierte Landschaften zurückkehren, ist es wichtig zu verstehen, welchen Einfluss die gleichzeitige Präsenz dieser Fleischfresser und des Menschen auf die verschiedenen Ebenen der Nahrungspyramide hat. Unsere Untersuchung leistet dazu einen wichtigen Beitrag.“

Weitere Informationen

 

Dieser Beitrag der Autorin Dr. Marion Stange, Universitätskommunikation Leuphana Universität Lüneburg, ist im Original am 07. April 2016 hier erschienen.


Literatur

Dorresteijn, I., Schultner, J., Nimmo, D. G.; Fischer, J., Hanspach, J.; Kümmerle, T.; Kehoe, L.; Ritchie, E. G. (2015).Incorporating anthropogenic effects into trophic ecology: predator – prey interactions in a human-dominated landscape. Proceedings of the Royal Society B 282: 20151602. (http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2015.1602)
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