Global Value – ein Instrument für multinationale Unternehmen

Nachhaltigkeitsmaßnahmen für eine gute Mitarbeiterentwicklung, eine effiziente Energieversorgung oder ein umweltgerechtes Abfallmanagement sind weit verbreitet. Doch wirkt sich die Tätigkeit von multinationalen Unternehmen tatsächlich auf globale Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele aus?

Das Projekt

Mit dieser Frage befasst sich das europäische Projekt “Global Value”, das von der Wirtschaftsuniversität Wien koordiniert wird. Im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU gefördert, arbeiten bei Global Value insgesamt zwölf Partner aus Europa, Asien und Afrika für ein klares Ziel: Ab 2016 soll es multinationalen Unternehmen ermöglicht werden, ihren Einfluss auf globale Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele zu bewerten und zu verbessern. Zentraler Bestandteil des Projektes ist die Entwicklung eines neuen Instruments, anhand dessen Unternehmen die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Produkte und Aktivitäten in Entwicklungsländern besser beurteilen können. Diese Entwicklung, an der Wissenschaftler und Praktiker der unterschiedlichsten Disziplinen und Hintergründe beteiligt sind, findet gemeinsam mit Unternehmen statt. Mit dem Tool sollen die Aktivitäten des Unternehmens möglichst umfassend bewertet werden – der Einkauf und die Produktion ebenso wie die Distribution oder auch das freiwillige Unternehmensengagement. Mit Hilfe des web-basierten Tools sollen die Unternehmen in die Lage versetzt werden, verantwortungsvollere Handlungsoptionen zu identifizieren und umzusetzen. Hierfür werden neben dem Tool ein Handbuch und Trainingsmaterialien entwickelt, die den Unternehmen bei der praktischen Anwendung helfen sollen. Nach der Fertigstellung wird das Tool weltweit frei zur Verfügung gestellt.

Das Tool und die Entwicklung

Schon in der Entwicklungsphase des Tools kommt die praktische Erfahrung von Unternehmen zum Beispiel aus den Bereichen Textil- und Ernährungsindustrie zum Einsatz – Praxispartner wie Bata und Olam werden zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten der Entwicklung das Tool testen und mit ihrem Feedback zur kontinuierlichen Verbesserung beitragen. Diese beiden Unternehmenspartner produzieren in Bangladesch und Tansania – aus diesen Ländern stammen auch Forschungspartner, die an Global Value beteiligt sind. Darüber hinaus wird der Prozess der Toolentwicklung von einer so genannten Expert Crowd begleitet: Dieser Expertenrat ist als weiterentwickelte Variante eines klassischen Beirats gedacht. Er besteht schon heute aus über 100 Mitgliedern und soll noch erweitert werden, um möglichst umfassend die zentralen Themen und Sektoren abzudecken. Die Experten kommen aus der Wirtschaft, der Politik oder auch zivilgesellschaftlichen Organisationen und sollen im Laufe des Projektes immer wieder über digitale Kanäle ihr Wissen und ihre Einschätzungen einbringen.

Millennium Development Goals

Grundlage der definierten Entwicklungsziele, deren Erreichung mit dem Tool geprüft werden soll, waren die acht Millennium Development Goals (MDGs), die so genannten Millenniumentwicklungsziele. Sie wurden aus der Millenniumserklärung des Gipfeltreffens der Vereinten Nationen abgeleitet und umfassen die Beseitigung von extremer Armut und Hunger ebenso wie die Verwirklichung einer allgemeinen Grundschulbildung oder auch die Sicherung ökologischer Nachhaltigkeit. Im September 2015 haben die 189 Staaten der Vereinten Nationen beschlossen, diese Ziele durch die so genannten Sustainable Development Goals (SDGs) abzulösen. Diese haben u.a. zum Ziel bis 2030 unter anderem Hunger und Armut auf der Welt weitgehend zu besiegen. Im Rahmen des Projektes Global Value haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den UN-Prozess genau beobachtet und dafür gesorgt, dass aktuelle Entwicklungen in das Projekt integriert wurden.

Institutionelle Rahmenbedingungen

Darüber hinaus legen die Wissenschaftler des Öko-Instituts wesentliche Grundlagen und befassen sich mit institutionellen Rahmenbedingungen von nachhaltigem Unternehmenshandeln, so genannten Systems of Governance. Dabei handelt es sich um ineinandergreifende Regelstrukturen für unterschiedliche Umwelt- und Entwicklungsthemen auf nationaler und internationaler Ebene, die von Regierungen, Unternehmensverbänden oder auch NGOs entwickelt wurden. Dies sind beispielsweise beim Thema fairer Handel UN-Standards, nationale Gesetze, freiwillige Kennzeichen wie das Fair Trade Label oder auch zivilgesellschaftliche Mechanismen wie etwa die Clean Clothes Campaign. Im Projekt IMPACT, das im Herbst 2013 abgeschlossen wurde, haben die Wissenschaftler des Öko-Instituts bereits untersucht, welche Wirkung freiwillige Nachhaltigkeitsmaßnahmen von Unternehmen auf die Gesellschaft haben. Sie stellten in diesem Zusammenhang fest, dass härtere regulatorische Maßnahmen – so etwa Steuern oder Berichtspflichten – für das Nachhaltigkeitsengagement sinnvoll und notwendig seien.

Dieser Beitrag wurde gekürzt. Das Original ist in voller Länger hier zu finden. Für inhaltliche Fragen wenden Sie sich gerne an c.brunn@oeko.de.


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