Fair Trade – Ein alternatives Handelskonzept

Fairer Handel basiert auf einer Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt begründet ist. Das Konzept soll im internationalen Handel zu mehr Gerechtigkeit führen und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Fairer Handel (Fair Trade) trägt zu einer nachhaltigen Entwicklung bei, indem neue Formen der Handelspartnerschaft ausgegrenzten Kleinproduzenten und Arbeitern in Entwicklungsländern bessere Handelsbeziehungen bieten und ihre Rechte stärken.

Zuständigkeit für die Gestaltung des internationalen Handels

Die Welthandelsorganisation (WTO) hat als eigenständige Institution den Auftrag, die Umsetzung von vereinbarten Maßnahmen zum international Handel zu überwachen. In diesem Zusammenhang hat sie eine Vollmacht zur Durchsetzung ihrer Grundprinzipien. Das zentrale Grundprinzip zielt auf eine weltweite Verwirklichung des Freihandels ab. Neben diesem grundlegenden Ziel ist jedoch in der Präambel der WTO eine Vereinbarung zu finden, die im Zusammenhang mit Fair Trade von hoher Relevanz ist: der Handel soll die Lebensbedingungen aller Menschen weltweit verbessern, zu Vollbeschäftigung und einem steigenden Realeinkommen durch wachsende Produktion und Handel beitragen. Dabei sollen im Sinne der nachhaltigen Entwicklung die Weltressourcen und die Umwelt geschont werden.

Betrachtet man jedoch die Entwicklung des internationalen Handels, so werden diese Ansprüche nur sehr bedingt erfüllt: Der weltweite Handel ist regional extrem ungleich verteilt und trägt nur in wenigen Ländern zu positiven Beschäftigungseffekten in größerem Umfang bei. Die weltweiten Ressourcen werden besonders von Industrie- aber auch Schwellenländern massiv ausgebeutet und die Handelsbeziehungen verschärfen tendenziell die Umweltbelastungen.

Das Konzept des Fairen Handels

Fairer Handel zielt darauf ab, primär Kleinbauern und andere Kleinproduzenten in Entwicklungsländern bei der Produktion und Vermarktung ihrer Produkte zu unterstützen. Dadurch wird ihnen die Möglichkeit gegeben, durch Handel ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Bisher können die Mehrzahl der Kleinbauern und ihre Familien in vielen Entwicklungsländern z.B. von ihren landwirtschaftlichen Produkten kaum überleben. Ihnen fehlen oft Transportmittel oder der Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln um die Waren zu größeren Märkten zu transportieren und dort zu verkaufen. Daher sind sie von Zwischenhändlern abhängig. Diese kaufen von mehreren Kleinbauern ihre Produkte ab und verkaufen diese dann in größeren Mengen mit Gewinn weiter. Dadurch kommt es zu einem Abhängigkeitsverhältnis der Kleinbauern von den Zwischenhändlern. Durch den fairen Handel soll der Export der Produkte direkt, d.h. ohne Zwischenhändler, in die Industrieländer gelangen. Um die Situation der Kleinbauern noch zu stärken, ist der Zusammenschluss mehrerer Produzenten zu Kooperativen ein weiterer Bestandteil des Konzeptes „Fairer Handel“.

Das Konzept zeichnet sich durch einige grundlegende Prinzipien aus, die von allen Organisationen des Fairen Handels akzeptiert und angestrebt werden. Dabei liegt das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu Grunde. Es basiert auf den drei Dimensionen Ökologie (Erhalt von Natur bzw. Ökosystemen für nachfolgende Generationen), Ökonomie (verantwortungsvoller Umgang mit wirtschaftlichen Ressourcen mit dem Ziel der Wohlstandsmehrung) und Soziales (Entwicklung einer Gesellschaft, in der alle Mitglieder gleichermaßen partizipieren).

Das Konzept beinhaltet u.a.:

  • die Festsetzung eines Mindestpreises für Erzeugnisse,
  • die zuverlässige Handelsbeziehung zwischen Importeuren und Produzenten die sozialverträglichen Arbeitsbedingungen auf den Plantagen und den Produktionsstätten sowie
  • die Einhaltung bestimmter Umweltstandards zur Verbesserung der Umweltsituation in Entwicklungsländern.

Die Wirkung des Fairen Handels in Entwicklungsländern

Es gibt eine Reihe von empirischen Untersuchungen, in denen die Wirkung der verschiedenen Aktivitäten im Rahmen des Fairen Handels analysiert wird. Dabei handelt es sich vielfach um regionale Studien. Eine „flächendeckende“, d.h. umfassende Wirkungsanalyse gibt es bisher nicht. Aus ökonomischer Perspektive lässt sich feststellen, dass die Kleinproduzenten durch den fairen Handel auch in Industrieländern einen Marktzugang erhalten. Ein einfacher, messbarer Effekt des Fairen Handels ist das höhere Einkommen der Produzenten. Die garantierten Preise führen zu einem Einkommen, das über dem Existenzminimum liegt. Die oft langfristigen Handelsbeziehungen geben den Produzenten eine Sicherheit beim Absatz ihrer Produkte. Eine gewisse Gefahr besteht jedoch, dass die Produzenten in eine Abhängigkeit der Fair Trade-Organisationen kommen.

Neben den höheren Einkommen der Produzenten, die auch ihren Familien und besonders ihren Kindern zugutekommen, wird der Fair Trade-Aufschlag in gemeinschaftliche Projekte investiert. Beispiele hierfür sind der Bau von Schulen und Gesundheitszentren. Da jedoch in einer Region nur ein kleiner Teil der ansässigen Produzenten von diesem positiven Effekten profitieren, kann es zur Isolation und zu Neid der nichtbeteiligten Produzenten kommen.

Betrachtet man die ökologischen Wirkungen, so kann zunächst festgestellt werden, dass die Umstellung auf den ökologischen Landbau von Organisationen des Fairen Handels gefördert wird. So kommt es durch die Beratung der Kleinproduzenten zu einem wachsenden ökologischen Bewusstsein. Die verstärkte Nachfrage der Konsumenten nach Produkten, die unter umweltverträglichen Bedingungen hergestellt werden, fördert das Bewusstsein zusätzlich. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das alternative Handelskonzept Fair Trade positive Wirkungen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erzeugen kann.

Dies ist ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Michael von Hauff. Er ist seit 1991 Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Kaiserslautern und ist Gastprofessor am Yangon Institute of Economics Myanmar. Von Hauffs Forschungsschwerpunkte sind u.a. Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Umweltökonomie sowie Entwicklungsökonomie. Er ist Mitglied in nationalen und internationalen Organisationen und Foren wie der Europäischen Akademie der Wissenschaften und erhielt 2009 den Deutschen Umweltpreis für seine wissenschaftlichen Leistungen im Forschungsgebiet „Nachhaltige Entwicklung“. Nach der aktuellen F.A.Z. Rangliste gehört er zu den 100 einflussreichsten deutschsprachigen Ökonomen.


Literatur

Hauff, von M., Claus, K.: Fair Trade, 2. Aufl., Konstanz München 2013.

Krier, J.-M.: Fair Trade 2007: news facts and figures from an ongoing success story – A report on Fair Trade in 33 consumer countries; Culemborg 2008.

Nessel S.: Fairer Handel als nachhaltige Entwicklungsstrategie. Eine kritische Bestandsaufnahme am Beispiel Mexiko. In: Peripherie – Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, Heft 128, 2012, S. 426-444.

Schaber, C., van Dok, G.: Die Zukunft des Fairen Handels, Luzern 2008.

Prof. Dr. Michael von Hauff

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