Entrepreneurship

Entrepreneur/innen nutzen Chancen des Marktes und gestalten gleichzeitig wirtschaftliche Entwicklung. Durch ihre innovative Kraft können sie Change Maker für einen sozialen Wandel sein.

Woher kommt der Entrepreneurbegriff?

Seit dem 12. Jahrhundert existiert das Wort „Entrepreneur“ in dem französischen Sprachschatz und bedeutet wörtlich übersetzt „Zwischenabnehmer“ oder „Vermittler“ (Hisrich, Peters, Shepherd 2005). Erste theoretische Überlegungen zu dem Phänomen des Entrepreneurs entstanden zwischen Anfang des 18. und den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Dies war zur Zeit der Gründung einer neuen eigenständigen Wissenschaftsdisziplin: der Ökonomie (Stavenhagen 1969).

So war es im 18. Jahrhundert der irische Ökonom Richard Cantillon, der, nachdem er mehrere Jahre als Bankier in Paris tätig war, den Begriff „Entrepreneur“ prägte (Kirby 2003; Filion 2011:41-51). Seit den 1970er Jahren wird insbesondere die Sichtweise des Ökonom Joseph Schumpeter betont (Landström, Benner 2010:15-45), welche die „kreative destruktive“ Kraft von Entrepreneur/innen in den Vordergrund stellt (Jones, Wadhwani 2007; Bjerke 2013). Laut Schumpeter bringen Entrepreneur/innen die wirtschaftliche Entwicklung durch die Verursachung eines Marktungleichgewichts voran, indem sie durch „kreative Zerstörung“, neue Kombinationen von Produktionsfaktoren durchführen. Schumpeters Sichtweise war deshalb neu in der Ökonomie, weil er einerseits den Kapitalismus als den wirtschaftstheoretischen Rahmen setzt und gleichzeitig historisch-ökonomische Entwicklungsdaten sowie soziologische Sichtweisen in seine Theorieentwicklung mit einbezog. So fanden diese Theorien über Schumpeter indirekt Eingang in die Wirtschaftstheorie.

Wie wird Entrepreneurship heute verstanden?

Heute wird der Begriff „Entrepreneur“ allgemeinverständlich dahingehend genutzt, eine/n innovative/n, vielleicht auch kreative/n und selbstständige/n Unternehmer/in zu beschreiben.

Wer als Entrepreneur gilt und was als eine entrepreneuriale Tätigkeit bzw. Aktivität eingeordnet werden kann, ist in der Theorie dennoch nicht eindeutig geklärt. Eine Vielzahl an Verständnissen ist nach wie vor je nach theoretischer und/oder disziplinärer Herkunft der Wissenschaftler/innen vorzufinden. So gibt es nicht die eine große Theorie des Entrepreneurs oder des Entrepreneurship4, vielmehr findet sich im Forschungsfeld bis heute „a wide range of beliefs“ (Gartner 1990:15-28).

In allen disziplinären Ären des entrepreneurialen Denkens gibt es enger und breiter gefasste Verständnisse von Entrepreneurship. Heute ist zu beobachten, dass es im Prinzip zwei verschieden gelagerte Sichtweisen auf die/den Entrepreneur und seine Aktivitäten gibt. So lassen sich enger gefasste Verständnisse dahingehend beschreiben, dass sie z.B. eine spezifisch ökonomische Perspektive auf Entrepreneurship einnehmen (Bjerke 2007). In dieser Sichtweise steht z.B. vor allem die Fähigkeit der/des Entrepreneur/in zukünftige Kauftrends bei potentiellen Kunden zu erkennen und diese Chancen zur Entwicklung und Vermarktung jener „gewünschten“ Produkte zu nutzen. In dieser Sichtweise geht es demnach v.a. um die „kluge“ Nutzung von Marktlücken und das erfolgreiche Bestehen auf dem Markt. Diese Sichtweise ist eher im anglo-sächsischen Raum vertreten.

Daneben gibt es eine breitere Sichtweise auf Entrepreneurship, die die Auswirkungen der Aktivitäten von Entrepreneur/innen auf die Gesellschaft in den Blick nimmt. Diese Sichtweise ist vor allem in den skandinavischen Ländern (insbesondere Schweden) zu beobachten (Bill, Björn, Johansson 2010). Ein/e Entrepreneur/innen werden in dieser Sichtweise als Gestalter/innen der Gesellschaft verstanden. Die Begründung ist hier, dass entrepreneuriales Handeln seit jeher als eine verändernde Wirkung auf die Gesellschaft verstanden wird. Dieses stellt daher „soziales Handeln“ dar, welches immer auch eine ethische bzw. sozial-verantwortliche Dimension aufweist.

Legt man vor allem den skandinavischen Entrepreneur-Begriff zu Grunde, so wird der gestalterische Aspekt des Entrepreneurship betont. Dieses Verständnis weist Überschneidungen auf mit spezialisierten Verständnissen von Entrepreneurship wie Ecological, Social, Sustainable oder Sustainability Entrepreneurship.


Literatur

Bill, F.; Björn, B.; Johansson, A. W. (2010): (De)mobilizing the entrepreneurial discourse. Exploring entrepreneurial thinking and action. Cheltenham, U.K.: Edward Elgar Pub.

Bjerke, B. (2013): About Entrepreneurship: Edward Elgar Publishing, Incorporated. Online verfügbar unter https://books.google.de/books?id=yTQCAQAAQBAJ.

Bjerke, B.(2007): Understanding entrepreneurship. Cheltenham, UK, Northampton, MA: Elgar.

Filion, L. J. (2011): Defining the entrepreneur. In: Leo Paul Dana (Hg.): World encyclopedia of entrepreneurship. Cheltenham, UK, Northampton, MA: Edward Elgar (Elgar original reference), S. 41–51.

Gartner, W. B. (1990): What are we talking about when we talk about entrepreneurship? In: Journal of Business Venturing 5 (1), S. 15–28.

Hisrich, R. D.; Peters, M. P.; Shepherd, D. A. (2005): Entrepreneurship. 6th ed. Boston: McGraw-Hill/Irwin

Jones, G.; Wadhwani, R. D. (2007): Entrepreneurship and global capitalism. Cheltenham: Edward Elgar Pub. (The International library of entrepreneurship, Volume I).

Kirby, D. A. (2003): Entrepreneurship. London: McGraw-Hill Education.

Landström, H.; Benner, M.: Entrepreneurship research: a history of scholarly migration. In: Landström, Lohrke (2010): Historical Foundations of Entrepreneurial Research, S. 15–45.

Stavenhagen, G. (1969): Geschichte der Wirtschaftstheorie: Vandenhoeck u. Ruprecht. Online verfügbar unter http://books.google.de/books?id=sHbdkdCX6kUC

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