Der Weg einer Junior-Professorin

„Man muss sich schon Mühe geben, einen spannenderen Bereich zu finden“ sagt sie selbst über ihr Forschungsfeld. Doch wie ist sie dazu gekommen und was begeistert sie so sehr daran? Im Interview gewährt uns Prof. Dr. Jantje Halberstadt Einblicke.

Jana Timm (JT): Jantje Halberstadt ist Junior-Professorin in Social Entrepreneurship an der Leuphana Universität Lüneburg. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich im Bereich Management und Unternehmertum insbesondere mit Social Entrepreneurship, Female Entrepreneurship und Ecopreneurship. Wie kam es dazu, dass Sie in diesem Themenfeld forschen?

Prof. Dr. Jantje Halberstadt (JH): Ich glaube, der Ursprung liegt bereits in meiner familiären Herkunft. Aufgewachsen bin ich auf dem Land, wo wir Gemüse selbst angebaut, Schweine gehalten und deren Futter selbst angebaut haben. Erst jetzt merke ich, dass mich dies tatsächlich beeinflusst hat. Außerdem hat meine Mutter im Prinzip zwei Fähigkeiten vereint, die auch im Social Entrepreneurship eine tragende Rolle spielen: Menschenfreundlichkeit und Unternehmertum. Nach meiner Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau habe ich ganz klassisch Betriebswirtschaftslehre in Münster studiert. Dort hat mir der Bereich “Unternehmensgründung” am meisten Spaß gebracht. Während der Diplomarbeit habe ich schnell gemerkt, dass mir wissenschaftliches Arbeiten Freude bereitet und so kam der Gedanke, zu promovieren. Über einen Freund erfuhr ich von einer Stelle an der Stiftungsprofessur “Entrepreneurship” an der Universität Oldenburg. Obwohl ich es nie gedacht hätte, erhielt ich die Stelle. Neben meinem eigentlichen Fokus auf allgemeines Entrepreneurship bzw. strategisches Management habe ich während dieser Zeit zwei “Hobbyforschungsbereiche” entwickelt: “Female Entrepreneurship” und “Social Entrepreneurship”. Viele Kollegen/innen sagten zu mir, dass dies Sonderforschungsbereiche seien, es darin nie eine Stelle geben würde und es daher strategisch nicht klug sei, sich in diesen Bereichen aufzustellen. Mir hat aber genau das Spaß gemacht, so dass ich diese als Hobbyforschungsbereiche weitergeführt. Daher war ich Feuer und Flamme als ich sah, dass eine Junior Professur für Social Entrepreneurship an die Leuphana Universität Lüneburg ausgeschrieben war. Darauf bewarb ich mich und es hat geklappt. Ich würde sagen, dass mein Weg ein etwas ungewöhnlicher Weg war, kein ganz gerader Wissenschaftsweg, sondern eher viele Zufälle. Im Prinzip habe ich das Glück gehabt, immer das machen zu können, was ich wirklich gern mache bzw. ich habe es einfach immer gemacht.

JT: Was begeistert Sie an dem Thema Social Entrepreneurship?

JH: Das sind vor allem zwei, die im Vordergrund stehen. Zum einen habe ich oft beobachtet, dass durch den unternehmerischen Schwerpunkt auf das Geldverdienen oftmals andere Dinge aus dem Fokus geraten, was sehr schade ist. Zum anderen finde ich tatsächlich, dass für die Lösung gesellschaftlicher Probleme – wenn wir Social Entrepreneurship so verstehen möchten – ökologische genauso wie soziale Aspekte eine Rolle spielen. Allerdings habe ich festgestellt, dass es viele schöne Ansätze gibt, gesellschaftlichen Nutzen zu erbringen, doch dann wieder die unternehmerische Komponente fehlt. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr Beispiele finde ich dafür, dass es Menschen gibt, die es verstehen, beides miteinander zu verbinden: gesellschaftlichen und ökonomischen Nutzen. Daher glaube ich, dass es für mich die Herausforderung war, zu gucken, was möglich ist. Nicht, dass ich glauben würde, dass ausgerechnet meine Forschung dazu beiträgt, die Welt zu verändern, aber in kleinen Stücken vielleicht schon. Also, ich glaube, ich hatte immer diesen inneren Wunsch aus meiner sehr klassischen BWL-Ausbildung etwas Ansprechenderes für mich zu machen. Außerdem habe ich einfach Glück gehabt mit meinem Bereich. Da muss man sich schon Mühe geben, einen spannenderen Bereich zu finden (lacht).

JT: Was sind Ihre Ansprüche an die Art und Weise, wie Sie forschen und was möchten Sie erreichen?

JH: Ja, ich habe zumindest vor, Dinge ein wenig zu ändern. Also, ich möchte es weiterhin so machen, dass ich das mache, was mich tatsächlich brennend interessiert und was ich selbst für relevant halte. Der Anspruch, den ich immer an mich selbst habe und der mir auch am meisten Spaß bringt, ist, dass ich Forschung in die Lehre integriere und gleichzeitig praxisorientiert. Auch ist es wichtig, eine Sprache zu finden, die hilft meine Arbeit einem breiteren Publikum verständlich zu machen. Ansonsten finde ich es schön, wenn mir selbst und auch anderen meine Forschung Spaß macht.

JT: Was halten Sie von dem Portal „Grünes Wissen“?

JH: Super! Weil ich glaube, dass diese breite Kommunikation sehr wichtig ist. Ansonsten forschen wir Wissenschaftler/innen in diesem klassischen Elfenbeinturm und das möchten ich und auch viele Kollegen/innen nicht. Und zum anderen erlebe ich immer wieder, dass Menschen wenig Verständnis für Forschung haben. Es ist zum Beispiel greifbarer, dass es relevant ist, ein Medikament zu entwickeln als Ergebnisse zu produzieren, die Unternehmertum fördern. Aber gerade die Zusammenhänge und Bedeutungen zu erklären, gibt uns Forscher/innen eine andere Stellung in der Gesellschaft. Ich finde es daher nicht nur wichtig, mit unseren Ergebnissen etwas Gutes hervorzubringen, sondern ich finde es auch zentral, dass die Menschen unsere Forschung unterstützen. Und deshalb glaube ich, dass so ein Portal wie Grünes Wissen sehr wichtig ist.

Das Interview führte Jana Timm, Mitarbeiterin des Portals „Grünes Wissen“, mit Prof. Dr. Jantje Halberstadt.


Prof. Dr. Jantje Halberstadt

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